Sonntag, 3. Juni 2012

Nu Sur La Plage

John William Godward. Nu Sur La Plage 1922

Es gibt kein Glück ohne Müßiggang, und nur das Nutzlose bereitet Vergnügen

Frei und unbeschwert: Nacktheit als persönliche Freiheit!

Wenn Frauen alleine sind, dann fällt es ihnen leichter sich der Kleider zu entledigen, sich auf ganz natürliche Art nackt zu bewegen. Nackt waren die Menschen im Paradies, und sie waren sich ihrer Nacktheit nicht bewusst. Das machte sie frei!

Das schöne Bild ist vom John William Godward. Über seine Biografie ist nur wenig bekannt. Er galt als schüchtern und melancholisch, vielleicht deswegen hat er die Frauen so schön, weiblich und sinnlich gemalt.

Bei der vorliegenden Darstellung kommt uns gleich das Motiv der Venus in den Sinn, wenn wir diese sich räkelnde Nackte am Meeressaum betrachten. - Aber doch während Botticellis Venus aufrecht steht und die Situation kontrolliert, liegt unsere Venus hier nackt, mit geschlossenen Augen und ungeschützt.

Sie lädt zum träumen ein. Ihr Gesichtsausdruck ist friedlich und in sich gekehrt. Ihre Ungeschütztheit kann bedeuten, dass sie sich sicher fühlt.. Eins mit der Natur, umgeben vom Rauschen der Welle, gewärmt von der Sonne.

Der Sommer darf kommen!

Dinah Montenegro




Montag, 2. April 2012

Zwischen Dichtung, Wahrheit und Prostitution: Tulia d´Aragona- Die intellektuelle Kurtisane


Seit mehr als 5 Jahre studiere ich die Geschichte von großen Kurtisanen.

Tulia war eine der berühmtesten Kurtisanen des Cinquecento und verfügte über ein für ihre Zeit außergewöhnlich hohes Maß an Bildung. Ihre Erziehung umfasste Unterricht in Philosophie, Literatur, Latein und Musik. Sie lebte in Ferrrara, Venedig, Florenz, Siena und Rom, wo ihr Haus Treffpunkt illustrer Personen war, die dort in entspannter Atmosphäre anspruchsvolle Themen diskutierten.


Aufgrund ihre dichterische Fähigkeiten wurde sie von Pflicht befreit, den gelben Schleier zu tragen, der sie als Kurtisane von der ehrbare Frauen unterscheiden sollte. Sie spielte virtuos Laute, konnte hervorragend singen, war überaus vermögend und führte offensichtlich ein selbstbestimmtes Leben.
Tulia lebte jedoch in einem Widerspruch: Zwischen Poesie und Prostitution. Sie betrachtete ihren Kurtisanenstatus als soziales Stigma, das nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Sie hoffte Zeit ihres Lebens, von den Einkünften als Autorin leben und den Kurtisanenberuf aufgeben zu können, was ihr letztendlich nicht gelang.

Als alleinstehende Frau hatte sie im 16. Jahrhundert nicht so viele Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten. Sie wählte deshalb den für sie einzig möglichen Weg, um von der Gesellschaft anerkannt und im Beruf erfolgreich zu sein. Mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hatte sie schon zu Lebzeiten Erfolg, so dass sie berechtigterweise erwartete, eines Tages hiervon leben zu können.

Tulia schrieb ein wunderbarer Dialog „Dialogo della infinità d´amore“ und da beweist sie ihre Kenntnis sowohl der Antike als auch der zeitgenösischen Literatur und Philosophie.

Quant´è per me difficultuoso, angusto, que ch´ad altri è camin facile e piano! Colpa  d`Amor iniquitoso, ingiusto.

- Noch mehr Philosophie? Dann folgen Sie Dinah Montenegro: http://twitter.com/#!/dinahmontenegro




Sonntag, 5. Februar 2012

Anständige Wollüstigkeit

Die historische Heimat des italinischen Essen? Il Mulino dell Pile, bei Millionen Italinern als "Weise Mühle" bekannt, liegt im einen wunderschönen Tal in der Toscana. - Vor einige Jahre bin ich sehr häufig dahin gefahren.

Während der Renaissance wurde die Esskultur in den Städten Italiens reichhaltiger und raffinierter. Rom wurde zum Zentrum der Italienische Gastronomie,  als anschauliche Einführung in das kulinarische Leben jener Zeit in der Metropole eignet sich nichts besser als ein erstaunliches Gemälde. Es verkündet den Triumph eines Papstes, einer Stadt und eines zurückhaltenden skrupellosen, klugen Mannes, der auch der erster und größte Kochbuchautor der neuen Ära war.

Platina, der größte Küchenautor des 15. Jh wurde von Mellozo da Forlí in einem Gemälde verewigt
Sechs Männer- vier davon stehend, einer sitzend und einer kniend- sind von quadratischen, mit Marmor-Eilegearbeiten verzierten Säulen eingerahmt. Diese sorgfältig gestaltete Geometrie sorgt für einen höchst theatralischen Hintergrund; und was die sechs Männer darstellen, ist nichts Geringeres als der Augenblick, als die Renaissance nach Rom kam.

Der sechster Mann in der Gruppe wirkt etwas sympathischer. - Gutaussehend, grauhaarig und mit einer leichten Hasenscharte kniet er vor dem Papst. Dieser Mann war der Bibliothekar des Vatikans, der allgemein unter dem vom ihm selbst geprägten lateinischen Namen „Platina“ bekannt wurde. Er lehrte die Geisteswissenschaft und war Humanist, wie man diesen Typus später nannte.

Humanisten hatten die klassische Literatur studiert und unterrichteten Grammatik, Rhetorik, Dichtung, Geschichte und Moralphilosophie. Platina nahm jedoch unter allen Humanisten eine Sonderstellung ein: Er war der Verfasser des meistverkauften Kochbuches seiner Zeit, De honesta voluptate et valetudine ( Über die anständige Wollüstigkeit und gute Gesundheit ).

Nur die wenigsten historischen Kochbücher vermitteln beim Lesen ein so eindeutiges Bild von der Persönlichkeit des Autors wie die Anständige Wollüstigkeit und gute Gesundheit. Leider ist dieses Bild alles andere als liebenswert: Platina war meine Interpretation nach, ein geistiger Snob und neigte zu übereifrigen Moralpredigten.
Es ist noch zu erwähnen, dass Platina im Jahr 1468 ( Sobald das Buch fertig wurde ) zusammen mit anderen Mitglieder einer heidnischen Bruderschaft, die sich der Götzendienerei, Ketzerei, sexuelle Ausschweifung und Völlerei schuldig gemacht hatte, festgenommen wurde. Man warf ihn vor, er sei an einer Verschwörung zur Ermordung von Sixtus´ Vorgänger Paul II. Beteiligt gewesen. Das große Rätsel lautet also: Was Platinas „anständiges“ Kochbuch in eine heimtückische Verschwörung verwickelt?


- Da ich das Rätsel nicht lösen kann, empfehle ich das Restaurant "Zum alten Mühlstein" dort habe ich immer wie im alten Rom gegessen und die Seiten dieses kleinen Gastronomieführers vom Platina aufgeschlagen.

Dinah Montenegro

Link dazu:




Montag, 23. Januar 2012

Die himmlische Liebe bei Greta Brentano


Was ist im Garten Eden tatsächlich passiert? Hat Eva Adam und die gesamte Menschheit ins Verderben geführt? Oder lässt sich die Schuld auf andere Verhältnisse schieben? Diejenigen die Eva ganz oder teilweise freisprechen möchten, haben gewöhnlich eine alternative Erklärung: Eine phallische und sehr beredte Schlange, der gefallene Engel Satan, verführte Eva zu der schicksalhafte Ursünde.

Josephine Swanson


Wer aber war Eva, was wissen wir von ihr? - Das Ecclesiaticus ist nicht der einziger Text, der über Eva berichtet. Es gibt auch ein Buch, das Buch vom Adam und Eva genannt wird und hier läßt den unbekannter Autor Eva selbst zu Wort kommen. Evas Bericht über die Entstehung der Sünde und des Leids ist eindeutig. Sie behauptet von sich selbst, ein zutiefst verdorbenes, sündiges und unberechenbares Wesen zu sein.


Thalia Friedell


Eva und der Apfel hätte eines der unschuldigsten Märchen der Weltgeschichte sein können, doch ließen gewichte Frauenfeindliche griechische Vorstellungen eine unschuldige Legende zur Schreckenversion werden.

Gwendolyn Nightwood


In einige jüdischen Überlieferung wurde zu Evas Verteidigung angeführt, dass sie lediglich Adams zweite Ehefrau gewesen sei. Die Erste Frau in Adams Leben war nach dieser Schöpfungslegende Lilith, ein gefallener weiblicher Engel.

Clara Morgenstern


Doch das Verhältnis zwischen Adam und Lilith war nicht ganz einfach, denn Lilith hatte offenbar ein sehr dominantes und forderndes Wesen. Sie bestand immer darauf, während des Liebesakt oben zu liegen und als Adam versuchte, sie zur Missionarsstellung zu zwingen, lachte sie ihn aus und verließ ihn sofort.

Sharon Novalis

Adam war einsam, als seine erste Frau verschwand, erst da bekam er die weitaus gehorsamere Eva. Lilith hingegen suchte sich angemessenere Partner bei den gefallenen Engeln...

-Wenn Sie sich mein werter Lüstling, zwischen Heilige oder Hure nicht entscheiden können. Vielleicht  noch schwieriger, zwischen Eva oder Lilith, Schönheit oder Geist... Nehmen Sie doch alles: Die Musen von Greta Brentano ist meine Empfehlung!

Die Kurtisane,

Dinah Montenegro

Link zu den wunderschönen Frauen, die mein heutiger Post geschmückt haben:
http://www.greta-brentano.de/#intro.php